Kirchenkonzert: Stehende Ovationen für Frank Nebl, Thomas Bauer und das AOB

Am Freitag, 17. Juli 2026, fand in der katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt das zweite Jubiläumskonzert unter der Leitung von Thomas Bauer zum 75-jährigen Bestehen des Akkordeon-Orchesters Baltmannsweiler e.V. (AOB) statt. Und dreimal erhob sich das Publikum zum Applaus.

Die kath. Kirche in Baltmannsweiler und das AOB pflegen schon seit langem eine sehr gute Zusammenarbeit. Nicht nur die gemeinsamen Faschingsgottesdienste von Herrn Pfarrer Aubele und dem Ensemble des AOB genießen legendären Ruf. Auch die wiederkehrenden klassischen Konzerte füllen den großen Kirchenraum. So war es nur selbstverständlich, auch im Jubiläumsjahr hier ein besonderes Konzert zu spielen.

 

Dank der Unterstützung der „Stifter für Baltmannsweiler und Hohengehren“ wurde es für die zahlreichen Zuhörer und für uns ein ganz besonderes Erlebnis. Denn kein geringerer als der Solo-Klarinettist der Badischen Staatskapelle – Frank Nebel – war zu Gast in Baltmannsweiler.

 

Eröffnet wurde das Konzert mit den „Antiche danze ed arie, Suite Nr.1“ von Ottorino Respighi (1879-1936). Während der Generalprobe bot sich dieses zentrale Werk der italienischen Neoklassizistik sehr brachial und verschwommen im noch leeren Kirchraum dar. Am Abend jedoch entfaltete die 4-sätzige Suite im konzentrierten Zusammenspiel der 30 Akkordeonistinnen und Akkordeonisten, unterstützt durch Sandra Nille am Cembalo, ein feines Klanggefüge. Das aufmerksame Publikum wurde durch zahlreiche zitierte Tänze, Lieder und Bilder in die opulente Barock- und Renaissancezeit entführt. Manch einer überprüfte im Anschluss, ob die Lebensdaten des Komponisten im Programmheft nicht ein Tippfehler seien.

 

Als erster Höhepunkt stand das „Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, KV 622“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) auf dem Programm. Dieses virtuose und emotionsgeladene Werk ist das einzige Klarinettenkonzert von Mozart und entstand als eine seiner letzten Kompositionen gut einen Monat vor seinem Tod. Die lange Einleitung durch das Orchester baute eine enorme Spannung auf, ehe sich Frank Nebl einfügte. Thomas Bauer führte den Solisten und das Orchester durch sein klares Dirigat zu einer bewundernswerten Einheit zusammen. Der Funke zwischen Dirigent, Solist und Orchester war schon in der ersten Probe übergesprungen. Die Spielfreude war in der Kirche deutlich spürbar. Nach den Schlusstönen hielt es kaum einen mehr auf seinem Sitzplatz. Mit einer modernen und zuweilen schräg klingenden Zugabe setzte Frank Nebl bewusst einen Kontrapunkt. Seine Virtuosität, welche schon im Klarinettenkonzert begeisterte, wurde hier nochmals gesteigert. Wiederum gab es stehenden Applaus.

 

Den Abschluss bildete wiederum Mozart. Die „Sinfonie Nr. 41 C-Dur, KV 551“ – auch unter dem Namen „Jupiter-Sinfonie“ bekannt – gilt als eines seiner Meisterwerke. Zugleich ist sie Mozarts letzte und längste Sinfonie. Sie verlangt auf Grund ihrer Komplexität jedem Orchester und Dirigenten ein Höchstmaß an Fähigkeiten, Musikalität und Konzentration ab. Schon der erste Satz „Allegro vivace“ ist ein monumentales Ereignis und gelang dem AOB eindrucksvoll. Die Tiefe des zweiten Satzes „Andante cantabile“ hatte Thomas Bauer wunderbar herausgearbeitet und wurde vom Orchester bestens umgesetzt. Leicht und tänzerisch kam der dritte Satz „Menuetto, Allegretto“ nahezu perfekt rüber. Dem vierten Satz „Molto allegro“ haften viele Wertschätzungen an: eines der gelungensten Stücke der Sinfonik, höchster Triumph der Instrumentalkomposition, ein Werk göttlicher Vollkommenheit, ein Triumphgesang kraftbewusster Herrlichkeit. Hier musste Thomas Bauer ganze Arbeit leisten, um am Ende eines langen Konzertes volle Aufmerksamkeit zu gewährleisten. Kleine Abstriche im Zusammenspiel fielen jedoch nicht ins Gewicht. Mit minutenlangen stehenden Ovationen wurden Dirigent und Orchester belohnt.

 

Mit dem „Marsch der Priester“ aus der „Zauberflöte“ verabschiedete das AOB unter der Leitung von Thomas Bauer das Publikum ins Wochenende bzw. zum Beisammensein im „Goldenen Engel“. Es war ein Konzert, welches sicherlich noch lange beim Publikum und dem Orchester im Gedächtnis bleiben wird.

Veröffentlicht in 2026.

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